Gift-Anschlag auf Ex-Spion
Russland weist 23 britische Diplomaten aus
Russisches Außenministerium: „Das Gift kommt aus dem Westen“ ++
Prag, Stockholm und Bratislava weisen Spekulationen zurück
Die Krise zwischen Russland und Großbritannien verschärft sich! Russland reagiert mit einer Retourkutsche auf die britische Reaktion nach dem Nervengift-Anschlag auf den früheren Spion Sergej Skripal.
Die Maßnahme: Es sollen 23 britische Diplomaten ausgewiesen werden. Das teilte das Außenministerium am Samstag in Moskau mit.
Außerdem beschuldigt der Kreml nun westliche Länder, im Besitz des Nervengifts Nowitschok zu sein. Die Sprecherin des russischen Außenministerium, Maria Sacharowa, hatte im Nachrichtensender Rossija 24 Großbritannien, Tschechien, die Slowakei, Schweden und eventuell die USA als mögliche Herkunftsländer des Kampfstoffes bezeichnet.
Die Regierungen in Prag, Stockholm und Bratislava haben die Spekulationen zurückgewiesen: Das sei eine „absurde Anschuldigung“, sagte die tschechische Verteidigungsministerin Karla Slechtova am Samstag. Ihr Land halte sich streng an die Vorgaben der Chemiewaffenkonvention und befasse sich nur mit dem Schutz vor solchen Kampfstoffen. Auch die Slowakei bestritt, über das hochgefährliche Nervengift zu verfügen. Die schwedische Außenministerin Margot Wallstrom erklärte, diese Behauptung sei „inakzeptabel und unbegründet“.
Erst am Freitag hatte der britische Außenminister Boris Johnson dem russischen Präsidenten Wladimir Putin persönlich die Schuld für den Nervengift-Angriff auf den früheren Spion Sergej Skripal gegeben. Es sei „äußert wahrscheinlich“, dass Putin die Anwendung eines Nervenkampfstoffs gegen Skripal in der englischen Stadt Salisbury angeordnet habe, sagte Johnson am Freitag.
Kremlsprecher Dmitri Peskow wies die Vorwürfe umgehend und vehement zurück. „Jeder Verweis oder eine Erwähnung unseres Präsidenten in diesem Zusammenhang ist nichts anderes als eine schockierende und unverzeihliche Verletzung der diplomatischen Anstandsregeln“, sagte Putins Sprecher der Agentur Tass zufolge.
Der Gift-Anschlag
Das Gift wurde bei dem Mordversuch gegen Sergej Skripal (66) und seine Tochter Yulia (33) verwendet. Die britische Zeitung „The Telegraph“ berichtete am Freitag, das bei der Attacke verwendete Nervengift sei in dem Koffer von Skripals Tochter Yulia versteckt worden, bevor diese Moskau verlassen habe.
Die Behörden gingen davon aus, dass ein Kleidungsstück, ein Kosmetikartikel oder ein Geschenk damit imprägniert worden sei. Die beiden Opfer seien womöglich in Skripals Haus im südenglischen Salisbury damit in Kontakt gekommen, hieß es unter Berufung auf eine nicht näher beschriebene Quellen.
Nach Auskunft der Polizei war Yulia Skripal am 3. März von Russland nach London geflogen. Tags darauf wurden die 33-Jährige und ihr 66-jähriger Vater bewusstlos auf einer Bank vor einem Einkaufszentrum in Salisbury aufgefunden. Sie befinden sich seitdem in kritischem Zustand in einem Krankenhaus.
Den Behörden zufolge wurden sie mit einem Mittel aus der Gruppe der Nowitschok-Nervengifte vergiftet, die das sowjetische Militär in den 1970er- und 1980er-Jahren entwickelt hatte. Auch ein Polizist, der den Fall untersuchte, wurde vergiftet. Großbritannien und seine westlichen Verbündeten USA, Frankreich und Deutschland vermuten Russland hinter dem Anschlag. Die Regierung in Moskau weist dies zurück.
Bild Zeitung