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..:: Deficiente-Forum - Internacional ::.. => Deutsch => Noticias Internacionais => Nachrichten => Tópico iniciado por: RoterTeufel em 15/06/2013, 11:36
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Kommentar zu US-Waffenlieferungen
Ein schlechter Tag für die Syrer
Stuttgart - Am Ende hat er nicht mehr anders gekonnt. Zu oft hatte Barack Obama diese sogenannte rote Linie benannt, über die Syriens Herrscher nicht hätte schreiten dürfen. Zu gewiss sind inzwischen die Vermutungen geworden, dass Baschar al-Assad diesen Schritt schon lange getan hat. Zu mahnend wurden die Stimmen, dass weiteres Zögern und Zaudern die Glaubwürdigkeit des US-Präsidenten beschädigen könnten, nicht nur in der Causa Syrien, sondern auch gegenüber Verhandlungen mit Nordkorea, im Falle des Iran und in vielen anderen Teilen der Welt. Mit Blick auf all die bestehenden und all die erst noch kommenden Probleme auf dieser Erde konnte Obama einfach nicht der bellende Hund sein, der nicht beißt.
Syrien ist anders als der Irak
Der US-Präsident mag sich im Stillen selbst geohrfeigt haben, dass er dem Einsatz von Giftgas durch das Regime in Damaskus diese Bedeutung beigemessen hat. Das Grauen im Irak stand dabei Pate. Aber Syrien ist anders als der Irak. Und anders, als zum Zeitpunkt der ersten Äußerungen über die rote Linie zu vermuten war, hat sich das Geschehen im Land entwickelt. Der Diktator aus Damaskus lässt sein Volk nicht am Gas krepieren. Die Menschen sterben, weil immer mehr Ausländer die syrischen Streitkräfte unterstützen. Sie sterben auch, weil immer mehr Ausländer die syrischen Rebellen unterstützen. In Syrien findet einer der gewaltigsten Stellvertreterkriege seit Langem statt. In dieser Situation wird der Friedensnobelpreisträger Waffen liefern. Man muss keine allzu prophetischen Gaben besitzen, um festzustellen, dass sich die Zahl der Toten erhöhen wird. Es sind schon unvorstellbare 93?000.
Die Spirale der Gewalt, sie wird sich schwungvoll weiterdrehen. Lange sah es so aus, als könnten die von den Golfstaaten unterstützten Rebellen die Oberhand gewinnen. Inzwischen hat sich das Blatt gewendet. Kämpfer der Hisbollah und des Iran haben dem Regime dazu verholfen, Terrain zurückzuerobern. Wie immer die amerikanische Hilfe nun aussehen mag: die Gegenseite wird nicht vor Ehrfurcht erstarren, sie wird aufrüsten. Und Russland, das bisher mehr Waffenlieferungen an Assad angekündigt denn tatsächlich auf den Weg gebracht hat, wird in ehrgekränkter Dickköpfigkeit die Unterstützung erhöhen.
Nichts zu tun kann schmerzhaft sein, aber auch richtig
Seit mehr als zwei Jahren leiden die Syrer bitterlich, gestern ist kein guter Tag für ihre Zukunft gewesen. Die Entscheidung der USA, aktiver als bisher in das Geschehen einzugreifen, erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass der Krieg, das Töten und das Sterben nicht nur weitergehen, sondern dass sie zunehmen. Es gibt, das ist die traurige Wahrheit, kaum eine Lösung für Syrien. Es gibt nur die Wahl zwischen grauenvoll und noch einer Spur schlimmer. Und es gibt das Bestreben der Welt, im Angesicht all des Terrors etwas zu tun, sich einzumischen, die Hände nicht in den Schoß zu legen. Allerdings: so wichtig es sein kann, etwas zu tun – wichtiger ist es, nichts Falsches zu unternehmen, nicht bei aller guten Absicht mehr Öl ins Feuer zu gießen. Nichts zu tun kann unglaublich schmerzhaft sein. Es ist nicht immer verkehrt.