Dieses Paar heiratete nach Anschlag im Krankenhaus
Münster – Hier hält sich ein glückliches Ehepaar die Hand...
Hubert (57) und Melanie (54) wurden am Mittwoch von Münsters Oberbürgermeister Markus Lewe (53, CDU) in der Rapahelsklinik getraut. Das Paar aus Niedersachen war unter den Verletzten der Amok-Fahrt von Münster mit zwei Toten.
Hubert hatte seiner Frau ein Wochende in Münster zu Weihnachten geschenkt. Grund: Beide sind eingefleischte Krimifans, ganz besonders liebten sie den Münster-Tatort und die Krimiserie „Wilsberg“ (ZDF).
Hubert: „Ich habe eine Zeitungsanzeige entdeckt, in der spezielle Stadtführungen zu dem Thema angeboten wurden. Da wusste ich, dass ich das richtige Geschenk gefunden habe.“ Alles schien perfekt, es war der erste schöne Frühlingstag des Jahres, das Hotel war gemütlich und die Tour zu den Drehorten ihrer Lieblingsserien ein spannendes Erlebnis. Das Paar bestellte am Kiepenkerl ein Weizenbier, Hubert wollte vorher auf die Toilette – diese Entscheidung hat ihm wahrscheinlich das Leben gerettet.
Der 57-Jährige: „Ich war schon im Restaurant, hörte plötzlich eine der Bedienungen laut ‚Nein!‘ rufen. Ich machte kehrt und als ich aus dem Restaurant kam, sah ich dort einen Kleintransporter stehen, wo ich vorher gesessen habe. Mein erster Gedanke war, dass der doch da gar nicht hingehört!“
Seine Melanie lag zwischen den Trümmern von Tischen und Stühlen, ihr Ellenbogen war gebrochen, ihr Kopf blutete. Hubert kniete sich neben sie, sprach mit ihr, damit sie bei Bewusstsein bleibt.
Beide kamen in die Klinik. Nach der Notfall-Operation musste die 54-Jährige noch einen Tag auf der Intensivstation verbringen, bevor es auf eine Normalstation ging – immer war Hubert an ihrer Seite. „Und dann habe ich sie gefragt, ob sie mich heiraten würde. Noch hier in Münster und in dem Krankenhaus, in dem uns so schnell geholfen wurde. Und sie hat ‚Ja‘ gesagt“.
Als die ungewöhnliche Anfrage im Standesamt eintraf, hat Oberbürgermeister Lewe spontan angeboten, die Eheschließung selber vorzunehmen. An Amok-Fahrer Jens Rüther (48) denken sie nicht mehr. Hubert: „Er ist für uns nicht existent!“
Bild Zeitung