Regierung plant Offensive gegen Jo-Jo-Preise
Sprit-Abzocke – jetzt reicht's!
Benzinpreise klettern zu Beginn der Oster-Reisewelle Richtung 2-Euro-Marke
1,70 Euro für einen Liter Super-Benzin. 1,75 Euro für Superplus. 1,87 Euro für V-Power. Durchschnittspreise an Deutschlands Zapfsäulen – einige Regionen liegen deutlich drüber.
Pünktlich zur Oster-Reisewelle klettert der Benzin-Preis Richtung Zwei-Euro-Marke. Jetzt reicht's! Der Irrsinn an den Tankstellen hat die Politik erreicht.
Angesichts immer neuer Rekordpreise beim Benzin will die schwarz-gelbe Koalition die Mineralölkonzerne stärker an die Kette legen.
Wie BILD erfuhr, wollen Fachpolitiker der Bundestagsfraktionen von CDU/CSU und FDP ein Konzept erarbeiten, um überhöhte Preissprünge künftig zu unterbinden.
Ziel sei, die Preisschwankungen deutlich zu verringern, hieß es aus beiden Fraktionen. Zuletzt beobachtete Preisausschläge von bis zu 15 Cent am Tag soll es danach künftig nicht mehr geben.
Noch vor Ostern wollen die Fachpolitiker erste Vorschläge unterbreiten. Bundeskartellamt und Bundeswirtschaftsministerium sollen in die Planungen für ein Anti-Preis-Jojo eng eingebunden werden.
Eine Maßnahme, die nach Ansicht der Autofahrer längst überfällig ist, denn schon jetzt reißt der Zapfsäulen-Irrsinn ein tiefes Loch in deren Geldbeutel.
PREISE AUF ALLZEITHOCH
Der ADAC fordert die Mineralölkonzerne auf, die Kraftstoffpreise zu Beginn des Osterreiseverkehrs nicht noch weiter zu erhöhen.
ADAC Präsident Peter Meyer: „Ich kann die Ölkonzerne nur davor warnen, die Osterferien für weitere ungerechtfertigte Gewinnmitnahmen zu nutzen. Angesichts des aktuellen extrem hohen Preisniveaus bei Benzin und Diesel wären zusätzliche Preisaufschläge geradezu unanständig.“
Laut Club zeigt die Erfahrung vergangener Jahre, dass die Kraftstoffpreise meist vor den Ferien stärker ansteigen - dies hatte auch das Bundeskartellamt in seiner Sektoruntersuchung im vergangenen Jahr bestätigt.
Nach Informationen des ADAC kostet ein Liter Super E10 derzeit im bundesweiten Mittel 1,660 Euro und hat damit das in der Vorwoche erreichte Allzeithoch eingestellt.
Angesichts des derzeitigen Rohölpreises von 125 Dollar je Barrel und des Euro/Dollar-Wechselkurses ist der Benzinpreis zu hoch.
KAUM SPIELRAUM
Fakt ist: Die Stimmung der Deutschen kippt.
„Das hat vor allem damit zu tun, dass aufgrund der Benzinpreisentwicklung, die zuletzt Rekordstände erreicht hat, die Inflationssorgen wieder größer geworden sind”, erläuterte GfK-Konsumexperte Rolf Bürkl.
Die Spritpreise spielen für den Konsum seit jeher eine besondere Rolle.
„Das sind Signalpreise für die Verbraucher”, erklärte Bürkl. „Das liegt daran, dass das sehr öffentliche Preise sind.” Schließlich könne jeder durch die großen Anzeigetafeln der Tankstellen am Straßenrand mitverfolgen, wie die Kosten in die Höhe schnellten.
Vor allem Pendler hätten durch die Verteuerung weniger im Portemonnaie. Aber nicht nur sie sehen inzwischen ihre Kaufkraft gefährdet, weil sie einen immer größeren Anteil ihres Einkommens für Energie ausgeben müssen.
Um 17 Prozent ist der Importpreis für Erdöl binnen Jahresfrist teuerer geworden. Erdgas legte bis Februar um fast 21 Prozent, die Mineralölpreise um 19 Prozent zu, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Insgesamt stiegen die Einfuhrpreise dadurch um 3,5 Prozent, was sich auch auf die Kosten für so manches Alltagsprodukt auswirkt.
Die Einkommenserwartung der Bürger ging deshalb im März auf hohem Niveau zurück.
Die Verbraucher befürchteten zudem auch bei anderen Produkten Preiserhöhungen – und bangten angesichts einer Februar-Inflationsrate von 2,3 Prozent um ihren finanziellen Spielraum.
Zumal sich auch bei den aktuell laufenden Tarifverhandlungen noch nicht abzeichnet, mit welchen Lohn- und Gehaltserhöhungen die Arbeitnehmer in diesem Jahr rechnen können.
Laut Bürkl kommt aber auch noch ein anderer wichtiger Punkt zum Tragen: „Die Alternative zum Konsumieren heißt Sparen.” Aufgrund des fehlenden Vertrauens in die Finanzmärkte sowie der historisch niedrigen Zinsen steckten viele Verbraucher ihr Geld im Moment jedoch lieber in werthaltige Investitionen. So erhöhe mancher Immobilienbesitzer den Wert seines Eigentums durch eine energetische Sanierung, berichtete Bürkl.