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..:: Deficiente-Forum - Internacional ::.. => Deutsch => Noticias Internacionais => Nachrichten => Tópico iniciado por: RoterTeufel em 05/06/2012, 18:44

Título: Schafften die Schleckers Millionen auf die Seite?
Enviado por: RoterTeufel em 05/06/2012, 18:44
Jahre vor der Pleite
Schafften die Schleckers Millionen auf die Seite?


Es ist ein Verdacht, der den Schlecker-Mitarbeitern ganz übel aufstoßen dürfte:

Die Eigentümer-Familie der bankrotten Drogeriekette Schlecker soll über Jahre Wege gefunden haben, Millionen auf die Seite zu schaffen.

Millionen, an die Gläubiger und Insolvenzverwalter heute nicht mehr herankommen.

Das berichtet das „Handelsblatt“.

Das Logistikunternehmen LDG, das ausschließlich für Schlecker gearbeitet hat, erwirtschaftete zwischen 2006 und 2010 insgesamt 58,5 Millionen Euro Jahresüberschuss, mit Gewinnmargen von 27,5 Prozent. Und das, obwohl ihr einziger Kunde bereits hohe Verluste einfuhr.

Besonders heikel: Die Logistik-Firma gehört den Schlecker-Kindern Meike und Lars.

Klartext: Anton Schlecker ließ die Firma seiner Kinder die Lager seiner Drogeriemarktkette verwalten, obwohl eigene Mitarbeiter die gleiche Arbeit zu deutlich niedrigeren Kosten hätten übernehmen können. Und das offenbar seit sehr langer Zeit.

„Die Zahlen sind ein Skandal“, sagte Bernhard Franke von der Gewerkschaft Verdi dem „Handelsblatt“. Und weiter: „Schlecker hätte fünf Millionen Euro pro Jahr sparen können, wenn die Läger von den eigenen Mitarbeitern bewirtschaftet worden wären.“

Die Gewerkschaft habe sich nun an den Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz gewandt. Der soll die vermeintliche Geldschieberei untersuchen.

Der wiegelte aber am Mittag ab:

„Man kann der Familie viel vorwerfen”, sagte Geiwitz. Etwa, dass sie zu spät reagiert habe. „Man kann ihr aber nicht vorwerfen, Vermögen im großen Stil weggeschafft zu haben”, betonte er.

Geiwitz wies darauf hin, dass Firmengründer Anton Schlecker sehr viel Geld in sein Unternehmen gesteckt habe. Allein in den Jahren 2008 bis 2012 seien es 460 Millionen Euro gewesen. „Durch einen Wechsel der Rechtsform weg vom eingetragenen Kaufmann hätte Anton Schlecker viel mehr Vermögen retten können”, sagte er.

PLEITE LANGE VORHERSEHBAR

Die Schlecker-Gläubiger haben heute das endgültige Aus des Unternehmens beschlossen. Bei der Gläubigerversammlung in Ulm stimmten sie für eine Zerschlagung der Kette, wie die Insolvenzverwaltung mitteilte. Der als sicher geltende Verkauf der Tochtergruppen Ihr Platz und Schlecker XL steht derweil wieder auf der Kippe.

Die ständige Expansion des Schlecker-Imperiums hat nach Aussage von Top-Managern lange Zeit über die Schwäche des Geschäftsmodells der Drogeriekette hinweggetäuscht.

„Wenn wir ehrlich sind, dann funktionierten wir seit Mitte der 90er-Jahre wie ein Schneeballsystem. Es ging nur weiter, weil wir es ständig erweiterten”, zitierte das „Handelsblatt” einen Altdirektor, angeblich einen der engsten Vertrauten von Firmenpatriarch Anton Schlecker.

Schlecker hatte auf dem Höhepunkt seines Wachstums mit über 8000 Filialen in Deutschland mehr als doppelt so viele Märkte wie die gesamte Konkurrenz. Allerdings erwirtschafteten Rossmann und dm in attraktiveren Lagen und mit einem größeren Sortiment mit der Zeit immer mehr Gewinn, während er bei Schlecker zurückging.

„Das ist die eigentliche unternehmerische Leistung von Schlecker, dass er die Pleite so lange hinausgezögert hat”, sagte der Altdirektor.