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..:: Deficiente-Forum - Internacional ::.. => Deutsch => Noticias Internacionais => Nachrichten => Tópico iniciado por: RoterTeufel em 15/03/2012, 16:52
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Rätsel um Todes-Crash in Schweizer Tunnel
War der Busfahrer nur Sekunden abgelenkt?
Überlebende Kinder: Er wollte gerade eine DVD einlegen +++ Reiseunternehmen „Top Tours“ geht von menschlichem Versagen aus
Siders (Schweiz) – Wie konnte es zu der Katastrophe im Schweizer Autobahntunnel kommen? Warum rammte der Bus einen Bordstein und prallte dann gegen die Wand der Haltebucht? Der Busfahrer ist wohl der Einzige, der darüber Auskunft geben könnte. Doch er ist tot.
Der Busunfall mit 28 Toten aus den belgischen Orten Lommel und Heverlee, darunter 22 Kinder, gibt auch am Tag danach Rätsel auf.
Die Geschäftsführer des belgischen Reiseveranstalters „Top Tours“ erklärten, dass allem Anschein nach menschliches Versagen Auslöser der Tragödie sei.
Tom und Katja Cooremans leiten das 1950 gegründete Unternehmen in 3. Generation. Sie sagten: „Beide Fahrer waren die ganze Nacht vorher im Hotel und völlig ausgeruht. Wir wollen ganz entschieden Gerüchten entgegentreten, dass es sich um einen pensionierten Kraftfahrer gehandelt hat. Der eine Fahrer ist 1960 geboren, seit 7 Jahren im Betrieb. Der andere Fahrer ist 1977 geboren, beide sind internationale Fahrer, beide haben kein Problem mit Alkohol.“
Und weiter: „Wir wissen nicht, wer von den beiden Fahrern gefahren ist. Unsere Hypothese ist, dass es menschlichen Versagen war, da auch der Bus technisch vollkommen in Ordnung war."
War der Busfahrer kurz vor dem Unfall abgelenkt?
Laut Recherchen der „Aargauer Zeitung“ (Schweiz) und der „Het Laatste Niews“ (Belgien) soll Frank Kerckhove, einer der Lehrer, Sekunden vor dem Unfall mit einer DVD oder CD zum Bus-Fahrer gegangen sein. Die Zeitungen berufen sich auf Aussagen der überlebenden Kinder gegenüber Krankenschwestern und Eltern.
Polizeisprecher Renato Kalbermatten sagte jedoch der „Aargauer Zeitung“, dass auf dem Video der Überwachungskamera aus dem Tunnel eine entsprechende Bewegung des Fahrers nicht zu sehen wäre.
DER UNFALLHERGANG
Als letzter von insgesamt drei Reisebussen der belgischen Gesellschaft „Top Tours“ fährt der Bus am Dienstag gegen 20.55 Uhr am Hotel „Du Cervin“ in Saint-Luc ab. Nach 21 Kilometern steuert der Fahrer den Bus in den 2,5 Kilometer langen Tunnel Richtung Sitten.
Plötzlich driftet der Bus nach 800 Metern zu weit nach rechts. Die Reifen streifen die Bordkante, der Bus schlingert nach links, kracht gegen die Tunnelwand und schleudert dann nach rechts frontal gegen die Wand der Nothaltebucht.
War es ein Fahrfehler? Verlor der Fahrer das Bewusstsein? Wurde er tatsächlich abgelenkt?
Fest steht bislang:
?Es war kein weiteres Fahrzeug an dem Unfall beteiligt.
?Auch auf technische Ursachen gab es zunächst keinen Hinweis.
?In dem Tunnel sind 100 km/h erlaubt. Der Bus fuhr nach ersten Erkenntnissen nicht zu schnell.
?Untersuchungsrichter Olivier Elsig sagte, die Straße sei weder beschädigt gewesen, noch hätten sich Flüssigkeiten auf der Fahrbahn befunden.
?Der Fahrer kann nach Ansicht des Staatssekretärs im belgischen Verkehrsministerium nicht übermüdet gewesen sein. Er kannte die Strecke sehr gut.
Simon Epiney, der Gemeindepräsident von Anniviers, der Region, wo die Kinder im Skiurlaub waren, kann sich nicht erklären, weshalb der schreckliche Unfall passierte.
Zum Schweizer „Blick“ sagt er: „Der Busfahrer war nicht das erste Mal in Saint-Luc, er ist sehr erfahren und kannte die Strecke gut.“
Die Straße hoch ins Dorf sei kurvig und der Busfahrer habe sie jedes Jahr ohne Probleme gemeistert.
Gerd M. (65, Name geändert) war 34 Jahre lang Busfahrer. Er sagt: „Ich bin mir sicher, dass bei dem Unglück kein technisches Versagen vorliegt. Entweder der Fahrer ist kurz eingenickt oder er wurde kurz abgelenkt..."
Und: „Kindergruppen sind das Schwierigste überhaupt. Man guckt sehr oft in den Rückspiegel, weil die Kinder aufgeregt sind, im Bus herumlaufen und Faxen machen. Diese Unruhe lenkt schon ab, weil man immer alles im Blick haben will und muss, damit kein Kind bei der Fahrt umfällt und sich verletzt. Kurz nach der Abfahrt ist die Unruhe immer besonders groß. Da guckt man sehr oft in den mittleren Rückspiegel."
War die rechtwinklige Wand in der Nothaltebucht schuld an der Schwere des Unfalls?
Nothaltebuchten mit rechtwinkligen Wänden sind in Deutschland zumindest bei nach 2003 geplanten Tunneln verboten, sagte der ADAC-Tunnelexperte Nicolas Adunka.
Der Fachmann warnte aber auch: „Eine abgeschrägte Wand verhindert nicht automatisch einen Frontalcrash”.
Wände von Nothaltebuchen hätten bis zu dem schweren Unglück in der Schweiz noch nie eine Rolle bei Unfällen gespielt, betonte Adunka. Dem ADAC lägen keine Erkenntnisse darüber vor, dass sich ein solches Ereignis in der Vergangenheit irgendwo schon einmal ereignet habe. Aus Sicht von Planern sei es statistisch gesehen ein absolutes „Nicht-Ereignis”.
Die Behörden gehen von drei möglichen Unfallursachen aus: ein technischer Defekt, eine plötzlich auftretende Krankheit des Fahrers oder menschliches Versagen.
Die Leiche des Busfahrers wurde am Mittwoch nach Lausanne gebracht, wo sie obduziert werden soll.
Experten wollen zudem das völlig zerstörte Bus-Wrack untersuchen.
Inzwischen sind alle 24 Verletzten und die meisten der 28 Toten identifiziert. Die Familien einiger Opfer mussten ihre Angehörigen im Leichenschauhaus identifizieren. Bereits heute Abend sollen die ersten Opfer nach Belgien geflogen werden.