Beleidigungen gegen Zieler – Köln ermittelt gegen eigene Fans
Das war einfach nur abartig!
Der 1. FC Köln nimmt nach den widerlichen Beleidigungen und hässlichen Schmährufen eigener Fans gegen Stuttgarts Torhüter Ron-Robert Zieler (29) Ermittlungen auf.
„Der 1. FC Köln distanziert sich von den üblen Anfeindungen gegen Ron-Robert Zieler und bittet ihn ebenso wie die Familie Enke dafür um Entschuldigung. Was am Sonntag offenbar von einem oder einigen FC-Ultras über Megaphon in Richtung des Torwarts des VfB Stuttgart gerufen wurde, geht über eine im Stadion noch tolerierbare Wortwahl weit hinaus und widerspricht allen Werten des FC. Wir stehen für Respekt und Fairplay, auch als Verlierer. Der FC wird versuchen, den oder die Täter zu ermitteln, und behält sich Konsequenzen gegen diese Personen vor“, hieß es in einem Statement auf der Vereinshomepage.
Der Tabellenletzte will nun alle Informationen prüfen und Video-Bilder auswerten.
Was war genau passiert?
Der in Köln geborene Stuttgart-Torwart wird in der zweiten Halbzeit während der 2:3-Heimpleite aufs übelste beleidigt, als er vor der Südkurve spielt. „Klar habe ich das gehört. Ich stand ja nur zehn Meter entfernt“, sagt Zieler nach dem Spiel.
Die Pöbel-Attacken zu Beginn der zweiten Halbzeit sind über die TV-Mikrofone deutlich zu hören.
„Zieler, deine Mutter ist mit Enke verwandt, du Bastard“, brüllt ein FC-Anhänger in ein Megaphon. Zuvor noch: „Zieler, mach keine Show, Du Pflegefall.“ Auch der Satz „Zieler, mach es wie Enke“, soll gefallen sein.
Der ehemalige Fußball-Profi Robert Enke, ebenfalls Torhüter und Nationalspieler, hatte sich im Jahr 2009 das Leben genommen.
BILD schaute sich die zweite Halbzeit des Spiels noch einmal an, hörte ganz genau hin. Ganz deutlich zu hören: Die Schmähgesänge wurden durch ein Megaphon aus der Köln-Kurve gerufen.
Was konkret reagiert der Verein jetzt?
„Wir müssen schauen, ob man es eindeutig zuordnen kann“, sagt Geschäftsführer Alex Wehrle (43). Dann soll der Ultra-Idiot vor die Stadionverbots-Kommission geladen werden und am Ende wohl aus der Kurve fliegen.
Wie kann es überhaupt zu der Megaphon-Attacke kommen?
Jedes Megaphon muss vor dem Spiel schriftlich von den einzelnen Ultra-Gruppen angemeldet werden. Im Regelfall nutzen die Capos (Vorsänger) der Wilden Horde, Boyz, Coloniacs oder des Domstadt Syndicats drei bis vier solcher Megaphone in der Südkurve. Somit wird auch gegen sie ermittelt. Ob das in diesem Fall aber so war, muss der FC klären.
Köln-Coach Stefan Ruthenbeck (45): „Was da passiert ist, geht gar nicht. Das ist unmöglich und auch ich als Trainer distanziere mich ausdrücklich davon!“
Sein Stuttgarter-Trainer-Kollege Tayfun Korkut (43): “Ich habe etwas gehört. Aber ich habe sehr viel Vertrauen in die Kölner Verantwortlichen und dem zufolge, was ich jetzt mitbekommen habe, haben sie auch die absolut richtigen Schlüsse gezogen. Wenn man es immer verallgemeinern würde, wenn einer da etwas macht, wäre das zu einfach. Es war eine tolle Stimmung im Stadion. Da sind 50 000 Menschen und die sind halt nicht alle gleich.“
Sport Bild