Trauer um GSG-9-Legende Ulrich Wegener (†88)
Polizei-Chefs nehmen Abschied von ihrem Helden
Bei BILD sprechen der Chef der Bundespolizei und die Bosse der Polizei-Gewerkschaften
Die entführte „Landshut“ steht im Oktober 1977 mit 86 Geiseln auf dem Flughafen von Mogadischu (Somalia). Ulrich Wegener, Gründer und Leiter der Spezialeinheit GSG 9, gab damals das Zeichen zum Sturm
Er war der wichtigste Anti-Terror-Experte Deutschlands! Doch am 28. Dezember 2017 starb der Gründer der Anti-Terror-Einheit GSG 9, Ulrich Wegener, im Alter von 88 Jahren.
Wegener war Gründer und erster Kommandeur der legendären „Grenzschutzgruppe 9“ (kurz GSG 9) des damaligen westdeutschen Bundesgrenzschutzes – BGS (heute Bundespolizei).
► André Schulz, Bundesvorsitzender des Bund Deutscher Kriminalbeamter (BDK):
„Ulrich Wegener war schon zu Lebzeiten eine Legende. Das ist nur ganz wenigen Menschen vergönnt. Unvergessen sind und bleiben vor allem seine Leistungen bei der Geiselbefreiung in Mogadischu. Denn: Nahezu jeder erinnert sich an Wegeners Verdienste und der seiner GSG 9 um die Geiselbefreiung der Passagiere in der Lufthansa-Maschine „Landshut” in Mogadischu am 18. Okt. 1977 aus der Gewalt der 'Roten Armee Fraktion' (RAF) und ihrer palästinensischen Unterstützer.
Das Zusammenwirken der obersten deutschen Justizbehörde mit der Elite-Einheit GSG 9 ermöglichte damals die Rettung vieler Menschen aus der Hand der Terroristen. Wegener agierte bei diesem lebensgefährlichen Einsatz selbst mit in der ersten Reihe, führte – wie er es selbst später sagte „immer von vorne“. Orden für diese Leistung nahm er, wie er selbst später erklärte, nur für „seine Jungs” entgegen.
Bei BILD nehmen Deutschlands Polizei-Obere Abschied von ihrem Helden.
► Dr. Dieter Romann, Präsident des Bundespolizeipräsidiums und Dienstherr von Ulrich Wegener:
„Ich verneige mich vor der Lebensleistung unseres verstorbenen Kameraden, ich verneige mich vor Ulrich Wegener.“
► Rainer Wendt, Bundesvorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG), deren langjähriges Mitglied Wegener war:
„Mit Ulrich Wegener verlieren wir ein seit Jahrzehnten treues Mitglied. Er war für viele Generationen von Polizeibeschäftigten zu Recht ein Held, ein Vorbild und die Verkörperung wichtiger polizeilicher Tugenden. Tapferkeit, Entschlossenheit, aber auch kluges taktisches und strategisches Denken und Handeln sind mit seinem Namen verbunden.
Deutschland verliert eine großartige Persönlichkeit, die auch im Ausland für strikte Loyalität und weitsichtige Urteilsfähigkeit stand.
Ich habe Ulrich Wegener als unglaublich starken Menschen und klugen Ratgeber kennengelernt und werde ihn als tollen Kameraden in Erinnerung behalten, er wird uns fehlen.“
Doch was viele über die spektakuläre Befreiung der Landshut vergessen: Schon im Juni 1976 war Wegener in die unter israelischer und französischer Verantwortung durchgeführte Geiselbefreiung jüdischer Flugzeugpassagiere in Entebbe (Uganda) mit eingebunden. Vier Terroristen hatten damals die Freilassung von 53 Gefangenen, überwiegend aus deutschen und israelischen Gefängnissen, erzwingen wollen.
Ulrich Wegener galt nach seinem aktiven Dienst als einer der weltweit führenden Experten zur Terrorbekämpfung und war Berater beim Aufbau zahlreicher Sondereinheiten anderer Länder.“
► Oliver Malchow, Bundesvorsitzender der Gewerkschaft der Polizei (GDP):
„Den jetzt verstorbenen Ulrich Wegener kann man ohne Zweifel als ‚Pionier‘ des Anti-Terror-Kampfs bezeichnen. Er hat mit der Spezialeinheit GSG 9 etwas aufgebaut, das später Vorbild in ganz Europa und vielleicht sogar in der ganzen Welt wurde.
Auch nach dem Ende seiner Verantwortung für den polizeilichen Großverband und über sein Ausscheiden aus dem aktiven Dienst der Grenzschutzgruppe 9 und bis zum heutigen Tag ist eines ganz sicher: Wegener war und blieb immer ‚der Kommandeur‘ der GSG 9."
Bekannt wurden die GSG 9 und ihr erster Kommandeur Ulrich Wegener (zuletzt im Range eines Generals im BGS a.D.) nach der sogenannten Operation „Feuerzauber“ in Mogadischu.
►Unter der Führung von Wegener befreite die im September 1972 gegründete Anti-Terror-Spezialeinheit GSG 9 in der Nacht zum 18. Oktober 1977 die zuvor am 13. Oktober auf dem Flug von Palma de Mallorca nach Frankfurt am Main von vier palästinensischen Terroristen entführte Lufthansa-Maschine „Landshut“.
Die Entführer wollten mit der Flugzeugentführung auf dem Höhepunkt des „Deutschen Herbstes“ in Deutschland inhaftierte Terroristen der Rote-Armee-Fraktion (RAF) freipressen.
► Bei der Befreiungsaktion auf dem Flughafen der somalischen Hauptstadt Mogadischu gelang es der GSG 9 unter der Einsatzleitung Wegeners, alle Geiseln (darunter 86 Passagiere) unverletzt zu befreien.
Drei der vier palästinensischen Entführer wurden getötet, eine Entführerin überlebte den Einsatz der Spezialeinheit schwerverletzt.
Bild Zeitung