Schlechte Aussichten
Daimler kassiert Gewinn-Prognose
Auto-Giganten auf Crash-Kurs: Bei Ford, Opel und Peugeot kriselt es richtig
Autobauer Daimler hat seine Gewinnprognose für 2012 kassiert.
Nach der Gewinnwarnung für seine Pkw-Sparte hat das Stuttgarter Unternehmen nun auch die Prognose für den gesamten Konzern korrigiert.
Der Dax-Konzern rechnet nur noch mit einem operativen Ergebnis von ungefähr 8 Milliarden Euro, was knapp 9 Prozent unter Vorjahresniveau wäre, teilte das Unternehmen am Mittwochabend mit.
2011 waren Daimler aus dem laufenden Geschäft rund 8,75 Milliarden Euro geblieben, was diesmal zunächst wieder das erklärte Ziel war.
Die Schwaben wollen mit einem Sparprogramm gegensteuern und die Kosten überprüfen.
Eigentlich wollte Daimler seine Quartalszahlen erst am Donnerstag kurz vor Börsenstart in Deutschland vorlegen, eine E-Mail-Panne in den USA zwang den Konzern jedoch zur früheren Mitteilung.
Unter dem Strich verdiente Daimler im dritten Quartal 11 Prozent weniger und kam auf 1,2 Milliarden Euro.
Operativ blieben 1,9 Milliarden, was ein leichten Minus von zwei Prozent ist. Die Umsätze kletterten dagegen merklich um 8 Prozent auf 28,6 Milliarden Euro.
Daimler-Chef Dieter Zetsche hatte bereits Ende September Alarm geschlagen.
BEI ANDEREN AUTO-BAUERN KRISELT ES SCHON RICHTIG
Europas Automarkt steckt tief in der Krise und zieht die Autobauer mit in einen gefährlichen Abwärtssog!
Am stärksten betroffen:
Deutschlands Traditionsmarke Opel, Frankreichs Autobauer Peugeot-Citroen (PSA) und die Europa-Sparte des US-Giganten Ford.
Das Problem der Giganten: Sie alle setzen mit ihren Modellen auf die europäischen Käufer und die knausern beim Kauf.
„Für Opel und PSA wird die Situation zunehmend bedrohlich“, sagt Auto-Papst Ferdinand Dudenhöffer gegenüber BILD.de.
Die Prognose für die Zukunft: der Branchen-Absatz sinkt auf ein 20-Jahres-Tief!
Seit 2008 befindet sich der Markt in einem Abwärtssog. Allein 2012 werden die Autobauer, nach Einschätzung der Experten, 7 bis 8 Prozent weniger verkaufen als noch ein Jahr zuvor. 2013 wird der Rückgang vermutlich bei 3 bis 5 Prozent liegen.
Derzeit gebe es eine Zweiteilung. Die einen, wie VW oder BMW, setzten ihren Höhenflug fort – sie können die Absatzkrise in Europa andernorts kompensieren. „Und dann gibt es die, die ihr Hauptabsatzgebiet in Europa haben: Denen geht es dramatisch schlecht”, so Stefan Bratzel, Leiter Center Automotive an der Fachhochschule der Wirtschaft in Bergisch-Gladbach.
DENN: Die Automärkte, vor allem in Südeuropa, befinden sich in einem freien Fall.
Dudenhöffer erwartet, dass 2013 das schlechteste Verkaufsjahr in Westeuropa seit 1993 wird – mit 11,6 Millionen Auto-Verkäufen nach 11,9 Millionen in diesem Jahr.
DIE AKTUELLE LAGE
? FORD
Die aktuellste Krisen-Ankündigung kommt von Ford. Der US-Autobauer will sein Werk im ostbelgischen Genk 2014 schließen. Der Grund: Mangelnde Auslastung.
Betroffen sind direkt 4500 Mitarbeiter am Standort sowie
? PEUGEOT-CITROEN
Die Chefetage des französischen Autobauers ringt seit Monaten um einen Sanierungsplan.
„Zwischen Juni 2011 und Juni 2012 hat der Konzern 200 Millionen Euro pro Monat verbrannt, doch wenn wir unseren Restrukturierungsplan umsetzen, werden dies ab Anfang 2013 nur noch 100 Millionen sein und ab Ende 2014 null”, sagte PSA-Markenchef Frédéric Saint-Geours.
Den Sprung zurück in die Gewinnzone erhofft sich Peugeot durch die Kooperation mit Opel-Mutter General Motors.
Das US-Unternehmen und der französische Konzern wollen Autos auf vier gemeinsam entwickelten Fahrzeugplattformen bauen, wie Opel mitteilte. Darunter sind ein Mittelklasseauto und ein Kleinwagen für die GM-Marken Opel und Vauxhall sowie Peugeot und Citroen.
Die ersten Autos aus den gemeinsamen Projekten sollen bis Ende 2016 auf den Markt kommen.
? OPEL
Opel macht seit Jahren horrende Verluste.
Zum zwölften Mal in Folge sank der Absatz im September um 15,6 Prozent. GM steuert mit Stellenabbau gegen. Immer wieder ist auch eine Schließung des Bochumer Werks im Gespräch.
Die Marke habe in den vergangenen zwölf Jahren 16 Milliarden Dollar (12,3 Mrd. Euro) verbrannt, rechneten Analysten der US-Investmentbank Morgan Stanley jüngst vor: „Wir glauben, dass es für GM an der Zeit ist, ein neues Zuhause für Opel zu finden.”
WELCHE CHANCEN BLEIBEN?
Bratzel mahnt zum Krisenmanagement: „Die Hersteller werden sich eher überlegen, wie sie es halbwegs schaffen, bei dem enormen Wettbewerbsdruck ihren Kopf über Wasser zu halten”, lautet der Expertenkommentar.
„Bis 2015 wird sich wenig tun. Die Autobauer müssen sich darauf einstellen. Die bisherigen Maßnahmen reichen dazu nicht aus“, so Dudenhöffer.
„Die Händler leben schon jetzt von der Hand in den Mund. Das wird so bleiben, bis sich die Euro-Krise in Wohlgefallen auflöst“, sagt Stefan Bratzel.