Bauern müssen Ställe umrüsten
EU plant Mutterschutz für Schweine
Bauernverband fürchtet Ende der Sauenhaltung in etlichen Betrieben
Rosige Zeiten für trächtige Sauen in Europa.
Weil die EU-Kommission ein Herz für Schweine hat, soll ab 2013 in der gesamten Europäischen Union eine Art Mutterschutz für „schwangere“ Schweine gelten.
Mit dem tristen Alleinleben in beengten Kastenständen soll künftig vier Wochen nach der Besamung Schluss sein.
Ab dann sollen trächtige Schweine fortan ein Recht auf Gesellschaft haben und zwar bis eine Woche vor der „Abferkelung“ wie es in der Fachsprache der Schweinehalter heißt.
In diesem Zeitraum – knapp drei Monate lang – ist künftig Gruppenhaltung angesagt.
So sieht es eine vom Tierschutz geprägte EU-Richtlinie vor, die nach Ablauf aller jahrelangen Übergangsfristen ab 1. Januar 2013 in der gesamten Europäischen Union gelten soll.
Das Problem: Nicht alle Länder sind mit der Umrüstung der Ställe so weit, obwohl z.B. in Deutschland neue Ställe bereits seit 2006 der Richtlinie entsprechend gebaut werden.
In vier Ländern – Großbritannien, Schweden, Luxemburg und Lettland – erfüllen laut einem Bericht der "Financial Times Deutschland“ – die Schweinezüchter bereits die Vorgaben für die Gruppenhaltung.
Viele andere Länder, darunter große Schweineproduzenten wie Frankreich und Spanien, hinken allerdings hinterher.
Ihnen droht laut FTD EU-Verbraucherschutzkommissar John Dalli mit Vertragsstrafen. Die EU-Kommission wolle am Donnerstag Mahnbriefe rausschicken.
GEBEN KLEINERE BETRIEBE SAUENHALTUNG AUF?
Für Deutschland ist das Bundeslandwirtschaftsministerium „sehr zuversichtlich“, dass die Schweinezüchter bis Ende des Jahres so weit sind.
Der Bauernverband befürchtet aber, dass je nach Region unterschiedlich viele Betriebe „die Sauenhaltung aufgeben werden“.
Grund: Die Umrüstung auf Gruppenhaltung kann laut Experten bei einer Betriebsgröße von durchschnittlich 250 Sauen 60.000 bis 100.000 Euro kosten.
In den vergangenen Jahren haben die Schweinehalter aber laut Bauernverband „kaum Geld verdient“, weil die Ferkelpreise im Keller sind, die Futterpreise aber stark angezogen waren.
Vor allem kleineren Schweinezüchtern fehlt also womöglich das Geld für Investitionen.
Roger Fechler, für Vieh und Fleisch zuständiger Referatsleiter beim Deutschen Bauernverband: „Viele kleinere Bauernhöhe planen offenbar, aus der Schweinezucht auszusteigen oder haben sich bereits umgestellt.“
MACHT DER „MUTTERSCHUTZ“ FÜR SCHWEINE SINN?
Fechler hält die Gruppenhaltung für eine "sinnvolle Maßnahme, um trächtigen Sauen mehr Bewegung zu ermöglichen".
Gleichzeitig werde die Haltung trächtiger Sauen "anspruchsvoller". Es gibt z.B Rangordnungskämpfe.
„Schweine können sehr ruppig werden, sich beißen und gegenseitig verletzen.“
Insgesamt gab es laut Bauernverband in Deutschland bei der letzten Zählung im November 2011 rund 27,4 Mio. Schweine, darunter 2,193 Millionen Zuchtsauen.