Silber-Heldin Britta Heidemann
„Es ist einfach gigantisch“
Sie wünscht Deutschland einen Medaillen-Regen
Was hatten wir auf diese Medaille gewartet!
Degenfechterin Britta Heidemann (29/Leverkusen) holt bei Olympia in London SILBER! Sie verliert nach ihrer Siegserie nur im Finale im Sudden Death der Verlängerung mit 8:9 gegen Jana Schemjakina (26/Ukraine).
Noch in der Nacht nach dem Triumph traf BILD.de unsere Silber-Heldin. Sie strahlt, sagt voller Glück: „Es ist einfach gigantisch!“ Und: „Vielleicht war ich der Startpunkt für einen Medaillen-Regen.“
Was für ein Nerven-Krimi um Heidemann! CHAOS! SIEG! SILBER!
Nach dem Halbfinale gegen Shin A-Lam (25/Südkorea) musste Britta rund 75 Minuten warten, ob ihr Finaleinzug regulär war.
Was ist passiert? Beim Stand von 5:5 muss Britta in der Verlängerung unbedingt punkten, um zu gewinnen. Denn sonst würde folgende schwachsinnige Regel greifen: Vor der Verlängerung wird ausgelost, wer bei Unentschieden weiterkommt! Und die Südkoreanerin zog das Glücks-Los...
Dann das: Nur noch eine (!) Sekunde war zu kämpfen. Dreimal gab Kampfrichterin Barbara Csar (29/Österreich), die einzige Frau unter 23 Kampfrichtern, das Gefecht frei. Zweimal gab‘s einen blitzschnellen Doppeltreffer (beide treffen sich glechzeitig), der laut Regelwerk sofort die Uhr stoppt. Kurios: Immer blieb die Uhr bei einer Sekunde stehen.
Beim dritten Mal trifft Heidemann – Kampf vorbei! Die Uhr steht auf null. Britta jubelt, ihre Gegnerin weint. Chaos bricht aus!
Die Südkoreaner toben, ihrer Meinung nach war die Zeit schon abgelaufen. Fast eine halbe Stunde diskutieren neun Offizielle, schauen sich immer wieder die Zeitlupe an. Laut ZDF trifft Britta nach 84 Hundertstel – also alles regelkonform.
Dann die offizielle Bekanntgabe: Sieg für Heidemann! Finale! Jaaaa! Oder doch nicht? Südkorea legt noch mal schriftlich Protest ein, der nach einer Dreiviertelstunde abgewiesen wird.
Britta erklärt das Chaos: „Das war ein klarer Treffer von mir! Leider haben wir keine genaue Zeitmessung mit Kommazahlen. Aber die Regel besagt, dass nach klarem Treffer die Uhr wieder auf eine Sekunde zurückspringt. Ich kann den Ärger der Koreanerin verstehen. Ich hätte mir auch einen anderen Einzug ins Finale gewünscht.“
Vorwürfe von Südkoreas Trainer Shim Jae Sung gegenüber BILD: „Wir sind bestohlen worden!“ Im Kampf um Bronze verliert die Südkoreanerin gegen die Chinesin Yujie Sun 11:15.
Kurze Zeit später freuen wir uns über die 1. Medaille. Britta: „Ein tolles Ergebnis! Nach Gold in Peking, jetzt Silber – ganz doll beschweren darf ich mich nicht!“
???
Biedermann schwimmt wieder hinterher
Sein Traum von einer Medaille ist geplatzt...
Paul Biedermann (25) schwamm über 200 Meter Freistil in 1:45,53 Minuten auf den fünften Platz. Olympiasieger wurde Yannick Agnel (20, 1:43,14 Minuten). Biedermann: „Ich bin noch ein bisschen unzufrieden mit der Zeit und frage mich, ob das alles war, was ich drauf hatte.“ Seit 1984 gab‘s für uns keine Olympia-Medaille in der Königsdisziplin.